Auerochsenherde

Auerochsenherde


Beweidung

Beweidung


Beweidung

Beweidung

Der Landkreis Deggendorf hat im Rahmen des Bundesprojektes 'Mündungsgebiet der Isar' etwa 352 ha Grund erworben, die nach einem Pflege- und Entwicklungsplan betreut werden.

Im Projektgebiet sind in den letzten zehn Jahren viehhaltende landwirtschaftliche Betriebe fast gänzlich verschwunden, so dass durch die Pflege anfallendes Mähgut langfristig schwierig sinnvoll verwertet werden kann.

Der Pflegeplan sah bereits 1993 die Möglichkeit einer teilweise Beweidung der Auwiesen mit Rindern vor. Daher entschied sich der Landkreis Deggendorf im Jahr 2004, einen Teil der Fläche (ca. 15 ha) einzuzäunen und mit einer Rückzüchtung von Auerochsen, sogenannten Heckrindern zu beweiden (bis heute auf ca. 20 ha erweitert). Am Anfang wurden 4 Tiere aufgetrieben, mittlerweile ist die Herde auf ca. 20 Tiere angewachsen, wobei die Jungstiere im Winter aus der Herde entfernt werden, um unnötige Konkurrenzkämpfe zu vermeiden. Insgesamt ist das Heckrind gut geeignet, auch weniger hochwertiges Futter, wie Schilf oder Sauergräser zu verwerten.

Das Beweidungsprojekt verläuft bisher sehr erfolgreich. Das Projekt wurde unterstützt von der Horst-Minihold-Stiftung und gefördert mit Mitteln des Bayerischen Naturschutzfonds.

Was sind Auerochsen?

Auerochsen oder Ure waren die Stammväter aller heute existierenden Hausrindrassen. Auerochsen waren große und robuste Wildrinder mit einer Schulterhöhe bis 180 cm und einem Gewicht bis zu 1000 kg.

Ihr bevorzugter Lebensraum waren halboffene Flussauen, wie sie auch früher im Isarmündungsgebiet vorzufinden waren. Ihr Verbreitungsgebiet zog sich von Eurasien bis nach Nordafrika. Vor mindestens 8.000 Jahren wurden sie domestiziert.

Ur-Stiere waren glänzend schwarz mit einer weißen Zeichnung um das Maul, die Kühe etwas heller braun gefärbt. Bei beiden Geschlechtern zog sich ein ocker- bis rostfarbener "Aalstrich" am Rückgrat entlang. Die imposanten Hörner waren weiß mit schwarzer Spitze und bogen sich elegant nach oben.

Aus Asien verschwanden die Urstiere bereits in frühgeschichtlicher Zeit. In Ägypten sind sie auf Jagdbildern des alten Reiches zu sehen. Caesar kannte die Ure nur noch aus den Wäldern des nördlichen Europa. Er schildert sie als etwas kleiner als die Elefanten. Sie seien sehr stark und behende und hätten weder Mensch noch Tier geschont. Die Germanen benutzten die Hörner der Ure "bei prunkvollen Gastmählern als Trinkgefäße". Vor über 300 Jahren ist der Auerochse bereits ausgestorben, da er vom Menschen gejagt und sein Lebensraum - ausgedehnte Wälder - durch die sich ausbreitenden Kulturlandschaften zerstört wurden.

Heckrinder - Ein Rückzüchtungsversuch

Die Gebrüder Lutz und Heinz Heck hatten um 1930 die Idee, das Urrind rückzuzüchten. Sie sind die geistigen Väter des sogenannten "Heckrindes". Durch Kombinationskreuzungen verschiedener urtümlicher Rinderrassen erhielten sie bereits nach wenigen Generationen Nachkommen, die dem ausgestorbenen Urrind sehr nahe kamen. Nicht erreicht wurde bisher die Größe der Ure. Die Heckrinder, die sie von der Aussichtsplattform des Infozentrums Isarmündung sehen, sind Wildrinder, die auf die oben beschriebenen Rückzüchtungsversuche der Gebrüder Heck zurückgehen.

Begegnung von Mensch und Auerochse

Aufgrund der Nähe des Infozentrum Isarmündung zur Auerochsenweide kann die Herde vielen Menschen gezeigt werden. Insbesondere Kindern und Schulklassen soll die Möglichkeit zur Beobachtung der Auerochsen gegeben werden.
Mit den Auerochsen kann ein anschaulicher Zusammenhang zwischen Intensität der Landnutzung und Naturschutz vermittelt werden. Von einer Plattform auf dem Gelände des Infozentrum Isarmündung können die Tiere mit einem Fernglas oder einem Spektiv sehr gut beobachtet werden. Das Betreten der Weide ist aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt. Allerdings kann die Herde während einer Führung auch von außerhalb des Zauns genau betrachtet werden.